16.08.2021: Lizenzierung ja oder nein? – Bestandscontrolling im Kontext elektronischer Ressourcen, Teil 2

Bibliotheken geben einen zunehmenden Anteil ihres Erwerbungsbudgets für Open Access-Publikationen bzw. -Lizenzen aus. Aufgrund der Vielfalt und Komplexität der Lizenzmodelle sowie der Anzahl zusätzlicher Akteure erweist sich eine systematische Evaluierung der hiermit verbunden Kosten- und Nutzenaspekte nach wie vor als schwierig.[1] In diesem zweiten Teil des Beitrags steht deshalb das Bestandscontrolling für Open Access-Ausgaben im Mittelpunkt. Dabei geht es darum, Lizenzverträge mit Open Access-Komponenten zu strukturieren sowie mögliche Evaluierungsschritte zu identifizieren und auf ihre Anwendbarkeit im Bibliotheksalltag hin zu untersuchen. Auch hierfür erhoffen wir uns im gegenseitigen Austausch eine Diskussion der vorgestellten Handlungsoptionen sowie Impulse für einen Praxistest an der eigenen Einrichtung. Teil 2: Bestandscontrolling für Lizenzen mit Transformationscharakter Abbildung 1 gibt einen kleinen (und bei weitem nicht abschließenden) Einblick in die Vielfalt – und Farbenfreude – im Hinblick auf Open Access-Lizenzmodelle.[2] Die Bandbreite reicht von schlichten Zweitveröffentlichungsrechten oder rabattierten Article Processing Charges (APCs) für die Veröffentlichung im goldenen Weg über unterschiedliche Read & Publish-Modelle hin zur Finanzierung kompletter Zeitschriften oder E-Books. Mit zunehmendem Transformationscharakter steigt in der Regel auch der zu leistende finanzielle und administrative Einsatz für alle Beteiligten. Neben der Definition, Bewertung und Bepreisung von Open Access-Komponenten ist es vor allem die Umstellung administrativer Prozesse – sowohl auf Seiten der Verlage als auch auf Bibliotheksseite – die zu einem Mehraufwand der Evaluation im Vergleich zu den in Teil 1 beschriebenen subskriptionsbasierten Lizenzen führen. Abbildung 1: Open Access-Lizenzmodelle Quelle: eigene Darstellung 1. Etatplanung und Umstellung der Finanzierungsströme Der vermehrte Arbeitsaufwand im Rahmen des Lizenzmanagements zeigt sich bereits zu Beginn des Erwerbungszyklus – bei der Etatplanung. Die bisher gängigen und vielerorts nach wie vor im Einsatz befindlichen Etatverteilungsmodelle stammen noch aus einer Zeit, als gedruckte Werke den Erwerbungsalltag von Bibliotheken dominierten.[3] Sie beinhalten oft eine „Universitätssäule“, die die Bedeutung des Fachs – und damit den Etatbedarf – an der eigenen[…]

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